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| Sind Kutschen jetzt zu gefährlich für St. Petersburg? (Foto: ld/rufo) | |
Dienstag, 24.07.2007
Vor der Eremitage: VIP-Kind von Kutsche überrollt
St. Petersburg. Die fünf Jahre alte Tochter des Bürgermeisters der Olympiastadt Sotschi ist in Petersburg auf tragische Weise ums Leben gekommen: Bei einem Verkehrsunfall wurde sie von einer Pferdekutsche überrollt.
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Der Triumph bei der Wahl zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 lag gerade einmal zwei Wochen zurück, da verwandelte sich ein fröhlicher Familienausflug für den Bürgermeister von Sotschi innerhalb eines Augenblicks in einen Alptraum:
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Während eines Privatbesuchs in St. Petersburg hatte Viktor Kolodjaschny mit seiner Familie eine Pferdekutsche angemietet. Etwa 20 solcher Fahrzeuge stehen während der warmen Jahreszeit im Petersburger Stadtzentrum Touristen und Brautpaaren für romantische Stadtrundfahrten zur Verfügung.
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Pferdekutschen waren bislang ein sicheres Verkehrsmittel
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Ernsthafte Zwischenfälle gab es dabei nie – auch wenn vielen Autofahrern die gemütlichen Fiaker im dichten Stadtverkehr immer wieder mal als rollende Hindernisse unangenehm aufstoßen. Doch nach den Kutschen-GAU vom Freitag Abend wollen die städtischen Behörden jetzt die Pferdefuhrwerke von den Straßen verbannen.
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Das Unglück geschah am Schlossufer, auf Höhe der Eremitage, wo seit einigen Jahren eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 km/h gilt. Ein 21 Jahre alter Autofahrer fuhr mit seinem Lada Samara von hinten auf eine der weißen Kutschen auf. Der Aufprall war offenbar nicht sehr stark – Fotos der verunfallten Kutsche zeigen jedenfalls keine richtig schweren Schäden.
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Fachärzte aus Deutschland kamen zu spät
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| Die Unfall-Kutsche: Beschädigt, aber nicht zertrümmert (Foto: fontanka.ru) |
Doch hoch auf dem Kutschbock saß neben der Kutscherin die fünf Jahre alte Bürgermeister-Tochter Valeria. Das Mädchen wurde aus dem Sitz geschleudert und von der Kutsche überrollt. Obwohl das schwer verletzte Mädchen sofort mit einem Taxi in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht wurde, war der kleinen Valeria nicht mehr zu helfen: Sie starb etwa 24 Stunden nach dem Unglück. Noch aus Deutschland angeforderte besonders fachkundige Ärzte kamen zu spät.
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Der Fahrer des Lada wurde festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben seiner Mutter war ein vor ihm fahrendes Auto plötzlich ausgeschert, weshalb er die Kutsche zu spät bemerkte. An der Unfallstelle wurde eine etwa 12 Meter lange Bremsspur gesichert.
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Überhöhte Geschwindigkeit versus Schritttempo
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Ersten Berichten zufolge war das Auto mit sehr hoher Geschwindigkeit (die Rede ist von 100 km/h) unterwegs. Allerdings hätte dann entweder die Bremsspur deutlich länger oder die Kutsche weitaus stärker beschädigt sein müssen. Deren andere Insassen wie auch die beiden Pferde kamen bei dem Unfall nicht zu Schaden. Schneller als die erlaubten 40 Stundenkilometer war der junge Autofahrer aber sicher unterwegs – das tun eigentlich alle Autofahrer an dieser Stelle, sofern sie nicht schon von Ferne einen Verkehrspolizisten am Straßenrand entdecken.
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Die Reaktion der Behörden auf das Unglück erfolgte schon am Wochenende: Unter allerlei Vorwänden wurden zahlreiche Pferdegespanne von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Bislang war deren Tätigkeit weder durch Lizenzen oder Zulassungsbestimmungen reguliert – es galten nur die allgemeinen Verkehrsregeln für Fuhrwerke.
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Stadtverwaltung will nun alle Kutschen verbieten
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Das Verkehrskomitee der Stadtverwaltung machte sich am Montag sogleich an die Ausarbeitung einer neuen Vorschrift, die faktisch einem Verbot von Pferdekutschen in der historischen Altstadt gleichkommt.
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Wie die Zeitung „Wedomosti“ heute berichtet, soll die Innenstadt (einschließlich Petrograder Seite und Wassili-Insel) sowie die wichtigsten Einfallsstraßen zu einer Tabu-Zone für die antiquierten Fahrzeuge erklärt werden. Außerdem sollen die Kutschen amtlich registriert und ihre Fahrer einer Art Führerscheinprüfung unterzogen werden.
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Alexander Iwachzow, Inhaber der Firma Walkit, die 15 der 20 Fiaker in der Stadt betreibt (darunter die in den Unfall verwickelte Kutsche), erklärte, dass er dann nach 17 Jahren Arbeit sein Unternehmen schließen müsse.
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Beamte wissen immer, wer schuld ist: Sie selbst jedenfalls nicht
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Aber vielleicht überdenkt die Stadtverwaltung ihre so typische Hau-drauf-Reaktion noch einmal: Nicht nur, weil die schneeweißen Kutschen eine Freude für zahlungskräftige Touristen und eine hübsche und durchaus passende Bereicherung des von ebenso altertümlichen Häusern und Palästen geprägten Stadtbilds sind.
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Anstatt Kutschen – und in der Folge dann vielleicht noch andere „störende“ Fortbewegungsmittel wie Fahrrad-Rikschas, Inline-Skates, Straßenbahnen oder überlange Hochzeitslimousinen – zu verbieten, sollten sich die Beamtenschaft eher Gedanken darüber machen, wie sie den alles überschwemmenden Autoverkehr und die miserable Verkehrsdisziplin in St. Petersburg in den Griff bekommen kann. Die fordert nämlich tagtäglich weit mehr Opfer – ohne dass deshalb der Smolny in wilden Aktionismus verfallen würde.
Auch darf bei der Beurteilung des Unglücks eines nicht vergessen werden: Eltern, die ein Kleinkind ungesichert auf einen Kutschbock in gut zwei Meter Höhe setzen, tragen dafür die Verantwortung. Das muss auch für russische Spitzenbeamte gelten, die (nicht nur bei Olympiabewerbungen) mit „Sicherheitsfragen“ gerne alle möglichen Maßnahmen rechtfertigen.
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Denn die kleine Valeria hätte von dort oben jederzeit herunterfallen und unter die Räder kommen können - auch ohne den Rempler von hinten. (ld/rufo/St.Petersburg)
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