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Gottorper Globus in der Kunstkammer (foto: ld/.rufo)
Gottorper Globus in der Kunstkammer (foto: ld/.rufo)
Montag, 21.07.2003

Zar Peters Welt ist wieder in Ordnung

Von Lothar Deeg, St. Petersburg. Das erste und sperrigste Exponat der Kunstkammer ist wieder hergestellt: Der berühmte „Gottorper Globus“ im Turm des Museums wurde mit deutscher Unterstützung gründlich saniert. Nach sieben Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird das ürsprünglich für den Hof des Herzogs von Holstein geschaffene Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert nun wieder zur Besichtigung freigegeben – allerdings wohl dosiert.

Konstruiert und gebaut wurde der Globus von dem in Holsteinschen Diensten stehenden deutschen Gelehrten Adam Olearius in den Jahren 1650 bis 1664 auf Schloß Gottorp (heute Gottorf bei Schleswig). Zu seiner Besichtigung jetzt gleich in die Kunstkammer zu stürmen, macht aber keinen Sinn: Nur kleine geführte Besuchergruppen werden die riesige Weltkugel von 3,10 Meter Durchmesser und 3,5 Tonnen Gewicht zu Gesicht bekommen – und das frühestens ab September. Solange braucht der aus Metall, Holz und Leinwand bestehende Globus noch, um sich wieder an die klimatischen Bedingungen in der Turmstube des ältesten russischen Museums zu gewöhnen.

„Der Globus ist alt und krank. Er hat eine schwere Operation hinter sich“ – Tatjana Moisejewa, die Leiterin des zur Kunstkammer gehördenden Lomonossow-Museums spricht über den Globus wie über einen pflegebedürftiges altes Familienmitglied. Jetzt sei erst einmal eine Rekonvaleszenz-Zeit nötig. Beschränkt werden muss die Besucherzahl aber nicht nur wegen der kunstverheerenden Ausdünstungen jeder Gruppe: Nur eine einzige, überaus enge Wendeltreppe führt in den lichtdurchfluteten Globus-Raum.

Ein halbes Jahr lang arbeiteten Holz- und Metallspezialisten im Schichtbetrieb an der Renovierung des Prachtstücks. Dank der Vermittlung des Petersburger Goethe-Institutes unterstützte der deutsche Staat dies mit 17.000 Euro. Das Land Sachsen-Anhalt finanzierte die Produktion einer dreisprachigen Videodokumentation. Sie wird den Besuchern in Zukunft die Funktionsweise des mechanischen Wunderwerks erläutern.

Blick ins Innere des Gottorper Globus (foto: ld/.rufo)
Blick ins Innere des Gottorper Globus (foto: ld/.rufo)
Denn der Gottorper Globus ist nicht nur eine Darstellung des geographischen Weltbildes von der Mitte des 17. Jahrhunderts, sondern zugleich eines der ältesten Planetarien der Welt: Die enorme Kugel ist hohl - und durch eine Einstiegsluke im Indischen Ozean begehbar. Im Innern befindet sich eine runde Sitzbank für 10 bis 12 Personen, die obere Kugelhälfte ist mit den Sternzeichen ausgemalt, markante Sterne und Planeten wurden als Metallplaketten aufgebracht. Wurde der Globus in Rotation versetzt, konnte man im Innern den Lauf der Gestirne verfolgen. Der Überlieferung zufolge saß der wissensbegierige Zar Peter der Große gerne jeden Morgen eine Stunde in seinem Globus, studierte die Astronomie und meditierte über sich und die Welt.

Zugleich ist der Gottorper Globus ein Zeugnis für Höhen und Tiefen der deutsch-russischen Geschichte – und darin dem vielfach berühmteren Bernsteinzimmer vergleichbar: Wie dieses war der Globus ein Freundschaftsgeschenk aus deutschen Landen für den gute Nachbarschaft suchenden jungen Zaren Peter I.: 1713 bekam der an allen wissenschaftlichen Apparaten brennend interessierte Herrscher aller Reußen den Globus vom Fürstenhaus Holstein-Gottorp. Zunächst stand er in einem Pavillon in der Nähe des Sommerpalastes.

Bei Russland-Aktuell
• Putin und Schröder am Globus in Schleswig (20.12.2004)
1726 baute man ihn in den zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendeten Turm der Kunstkammer ein – jenem von Zar Peter ersonnenen „Kuriositätenkabinett“, das zugleich Sitz der neu gegründeten Akamdemie der Wissenschaften war. 20 Jahre später brannte die Kunstkammer, der Globus wurde beschädigt, dann repariert, um neue Entdeckungen ergänzt und an wechselnden Orten in Petersburg aufgestellt.

Seit 1901 befand er sich im Residenz-Vorort Zarskoje Selo. Und wie das Bernsteinzimmer verschwand während der Belagerung Leningrads auch der Globus von dort. Allerdings nicht spurlos: 1947 wurde er in Lübeck wieder sicher gestellt und nach Leningrad zurückgebracht. Damals beschloss man, ihn an seinen ursprünglichen Ort im Turm der Kunstkammer zurückzubringen. Damit die gewaltige Kugel mit Hilfe einer Seilzugkonstruktion dorthin gelangen konnte, musste allerdings ein riesiges Loch in die Fassade geschlagen werden.

Bei Russland-Aktuell
• Die Kunstkammer
Um dies jetzt wieder zu vermeiden, wurde der Globus trotz des beschwerlichen Zugangs an Ort und Stelle restauriert. Den nach wie vor altersschwachen Globus anfassen, geschweige denn hineinsitzen wie weiland Peter der Große, darf übrigens niemand mehr – „nicht einmal Putin“, so Kuratorin Moisejewa. Sie selbst hat ihr Prachtstück während der ganzen Renovierungsarbeiten auch nur zweimal von innen gesehen. (ld/.rufo)

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