Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Startseite


Die Große Moschee von St. Petersburg feiert ihr 100-jähriges Bestehen. (Foto: Deeg/.rufo)
Die Große Moschee von St. Petersburg feiert ihr 100-jähriges Bestehen. (Foto: Deeg/.rufo)
Donnerstag, 21.02.2013

Zeichen der Koexistenz: 100 Jahre Moschee in Petersburg

St. Petersburg. Vor genau 100 Jahren wurde in der Großen Moschee von St. Petersburg das erste Gebet gesprochen. Das Geschenk des Emirs von Buchara steht im Licht der Integrationsbestrebungen im ausgehenden Zarenreich.

Am 21. Februar 1913, es war (natürlich) ein Freitag, erklang in der gerade fertiggestellten Moschee auf der Petrograder Seite das erste Gebet. Einen Tag später wurde das Gotteshaus, das in seiner Architektur auf das Gur-Emir-Mausoleum in Samarkand zurückgeht, in Anwesenheit von Seid Mir Mohammed Alim-Chan, dem Emir von Buchara, feierlich eröffnet.

Dem Zaren und dem Kaiserreich ergeben


Petersburg hatte schon immer eine starke muslimische Diaspora, aber bis ins 20. Jahrhundert hinein war ihr ein öffentliches Gebetshaus verwehrt gewesen. Nach der restriktiven „Russifizierungs“-Politik von Zar Alexander III. hatte sich das Blatt unter seinem Sohn, dem letzten Zaren Nikolaus II., aber allmählich gewendet.

Bei Russland-Aktuell
• Islamisten wollen Silvester-Boykott in Tatarstan (28.12.2012)
• Moskauer Stadtverwaltung gibt Baugrund für drei Moscheen (17.12.2012)
• Experte: Tatarische Islamisten rekrutieren Kriminelle (31.10.2012)
• Im Spannungsfeld der Gegenwart: Muslime in Russland (17.10.2012)
Dies hat mindestens zwei Gründe: Zum einen hatte sich Emir Seid Abdul Ahad-Chan, der Vater von Alim-Chan, für die Sache stark gemacht und höchstpersönlich die für damalige Zeiten astronomische Summe von 312.000 Rubeln (manche Quellen sprechen sogar von 450.000) für den Grundstückskauf gespendet.

Ahad-Chan war ein zarentreuer Mann, der immer wieder seine Ergebenheit zum Russischen Kaiserreich betonte. Selbst der Platz für den Bau der Moschee war für ihn von symbolischem Wert: Sie sollte ganz in der Nähe zur Zarengruft in der Peter-Pauls-Festung stehen.

In seiner Bittschrift an den Zaren aus dem Jahre 1906 um die Erlaubnis zum Bau hieß es: „Der Emir ist von ganzem Herzen dem Herrscherhause ergeben und (…) ist der Meinung, dass der neue Ort zum Dienste an dem Einen Gott mit seiner Nähe zu christlichen Heiligtümern eine gewünschte Nachbarschaft ist.“

Abgetrotzte Zugeständnisse


Hier verbirgt sich der zweite Grund dafür, dass die Hauptstadt endlich eine Moschee bekam: Die Zarenmacht hatte ihre Politik gegenüber den nicht-orthodoxen Volksgruppen revidiert – wo früher Verbote regierten, schaltete man nun auf Toleranz und Koexistenz.

Es war eine erzwungene Wende, herbeigeführt durch die erste Russische Revolution von 1905. Ihr folgte ein Ukas über die Glaubenstoleranz, und im Oktobermanifest, in dem der Zar eine Reihe demokratischer Zugeständnisse machen musste, wurde auch die Zulassung von muslimischen Organisationen und Versammlungen garantiert. Von 1906 bis 1917 gab es in der Duma sogar eine muslimische Fraktion.

Der Zar hatte einsehen müssen, dass sein multinationales und multikulturelles Land nur durch die Gewährung von Freiheiten zusammenzuhalten war. Aber diese Einsicht kam wohl zu spät, denn wenige Jahre später brach das Reich zusammen.

Die Petersburger Moschee hat diesen und noch so manchen anderen Zusammenbruch überlebt und erfreut Bewohner wie Besucher durch ihre hoch aufragenden Minarette und die sattblauen Majolika-Kacheln an der Kuppel und den Eingängen.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 21.02.2013
Zurück zur Hauptseite







Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Petersburg intern
Schnelle Stadtnachrichten

31.10.2015224 Tote: Absturz über Ägypten schockiert Russland
19.09.2015Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt
13.09.2015Neuer russischer Ostseehafen: Bronka geht in Betrieb
13.09.2015Neuer russischer Ostseehafen: Bronka geht in Betrieb
19.05.2015St. Petersburg macht sich klein – im Maßstab 1:87
22.03.2015Opel ade: General Motors räumt den russischen Markt
31.01.2015St. Petersburg: Deutsche Visa auf der Petrograder Seite
23.04.2014Petersburger Wasserbusse fahren 2014 auf längerer Linie
26.03.2014Flughafen-Umzug beendet: Pulkovo-2 wird stillgelegt
04.12.2013Deutschland-Flüge eröffnen neues Terminal in Pulkowo
21.11.2013Bedingt frei: Greenpeace-Aktivisten verlassen Gefängnisse
20.11.2013Wechselberg stiftet Petersburg ein Faberge-Museum
19.11.2013Greenpeace-Fall: Ärztin und Fotograf kommen frei
13.11.2013Pussy-Riot-Sängerin und Greenpeace-Aktivisten verlegt
08.11.2013Deutsche Lastwagen aus Petersburg: MAN-Werk eröffnet

Mehr Petersburg bei www.petersburg.aktuell.ru >>>


Schnell gefunden
Petersburg Kultur
Petersburg Wirtschaft
Petersburg Architektur
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru





top us casino sites for you!! casino payment solutions http://www.playonlineblackjack.us.com/ best us deposit bonus casinos Dragon Orb and many more the newest online slot play trusted online casinos still accepting U.S. players best online blackjack review Do you want to play real money slots 24/7?) Click to grab your slots bonus - up to $2500) best online casinos for usa players + Play the best casino games + Claim generous slots bonuses I found the best online casino bonus us friendly ever. Play online casino games with the best bonuses. TOP USA Casinos accepting credit cards - Visa, Mastercard, Amex - reliable deposits. One of the most popular casino sites among slots lovers. Start playing Polar Explorer, one of RTG's newest slots machines at rtgbrands. slots games how to win in vegas slots best online casino allow us customers big bonus online gambling sites