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Montag, 27.10.2003

Zenit ist Fußball-Vizemeister 2003

Von Susanne Brammerloh, St. Petersburg. Am Samstag war die Fußball-Fan-Gemeinde der Nördlichen Hauptstadt aus dem Häuschen – zum ersten Mal in der Geschichte gewann der lokale Club die Silbermedaille in der Landesmeisterschaft (Gold holt sich dieses Jahr ZSKA Moskau). Bereits vor dem letzten Spieltag haben die Kicker von der Newa den zweiten Platz in der Tasche – dazu reichte ein Unentschieden gegen Loko Moskau im heimischen Stadion „Petrowski“.

Das Wetter war grauslich am Samstag – Schneegestöber und ein steifer Wind hatten das Sagen in der Stadt. Das hielt die treuen Zenit-Fans allerdings keineswegs davon ab, die Tribünen im Stadion auf der Petrowski-Insel bis zum Anschlag zu füllen. Die Petersburger Fußball-Freunde gehören bekanntermaßen zu der ganz harten Sorte. „Wir kommen immer, selbst wenn die Newa vier Meter hoch über ihre Ufer klettern sollte“, ließ ein altgedienter Match-Besucher dann auch verlauten.

Gegen Lokomotive Moskau stand am vorletzten Spieltag ein superhartes Duell an. „Das Spiel des Jahres!“ wurde es allerorten in der Presse genannt. Zusätzliche Schärfe verlieh dem Treffen die Tatsache, dass Loko erst am Dienstag Inter Mailand mit einem saftigen 3:0 in die Wüste geschickt hatte (russland-aktuell.RU berichtete). Ein leichtes Zähneklappern in der Petersburger Fangemeinde war nicht zu übersehen – konnten die jungen Kicker es mit solch einem hartgesottenen Profi aufnehmen?


Bei Russland-Aktuell
• Loko erringt historischen Sieg über Inter (21.10.03)
Konnten sie, wie wir nun alle wissen. Auch wenn das Spiel mit 0:0 torlos blieb, hatten die Petersburger am Samstag die bessere Elf auf dem Platz. Zenit hatte sich im Laufe der Saison bis ganz nach oben durchgekämpft und brauchte Loko nun nur noch ein Unentschieden zu entringen, um sich die Silbermedaille zu sichern. Die erste in der Geschichte des Clubs übrigens – Meister war Zenit 1984 gewesen, und 2001 konnten sie den dritten Platz in der Premierliga behaupten. Silber fahren sie in diesem Jahr erstmals ein.

Der berühmt-berüchtigte Petersburger Lokalpatriotismus kochte über, kaum war der Schlusspfiff ertönt. Im Stadion und an den unzähligen Bildschirmen der Stadt kannte der Jubel keine Grenzen, Salutschüsse und Feuerwerkskörper schossen in den grauen, schneedurchtränkten Himmel. Die Kicker von Zenit drehten eine Ehrenrunde rund um die Arena und wären wohl am liebsten über die Abgrenzung geklettert, um sich mit den Fans zu verbrüdern. Obwohl das Spiel unentschieden ausging, wurde gefeiert wie bei einem haushohen Sieg.

Für Trainer Wlastimil Petrzela erfüllte sich am Wochenende das, wovon er nicht mal zu träumen wagte, als er Anfang des Jahres zum Chef-Coach in Petersburg bestellt worden war. Keiner hätte ihm diesen Erfolg zugetraut, denn Zenit war vor Saisonbeginn ein so gut wie hoffnungslos desorientiertes Häufchen Elend auf Platz 10 der letztjährigen Tabelle gewesen.

Für den Tschechen ist die Silbermedaille der größte Erfolg in seiner Laufbahn. Damit sichert er sich seinen Job an der Newa und fungiert zugleich als lebender Beweis, dass ausländische Fußball-Trainer in Russland eine Zukunft haben werden. Nach diesem überzeugenden Debüt werden sicher auch andere russische Clubs ihre Angst überwinden, Spezialisten aus anderen Ländern zu sich zu rufen.

Petersburg erhält indes eines seiner schönsten Geburtstagsgeschenke im Jubiläumsjahr. Kein Wunder, denn Zenit war schon immer ein Symbol und Aushängeschild für Leningrad/St. Petersburg. So mag es nicht verwundern, dass am Samstag Abend auf der Fansite des Clubs die begeisterten Kommentare zum Spiel hier und da in ausgemachte Liebeserklärungen an die Stadt umschlugen. „Ich bin stolz auf meine Stadt!“ „Wir sind die Besten!“ „Ich liebe Piter, und Zenit – ist Champion!“
(sb/.rufo)

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