St. Petersburg. Während Moskau sich gleich mehrerer Werke von Hand des russischen Monumental-Bildhauers Surab Zereteli rühmen darf, ist Petersburg bisher von den Riesendenkmälern des äußerst produktiven Künstlers verschont geblieben. Doch nun hat die Heimsuchung Petersburgs durch den Staats-Bildhauer Nr. 1 erstmals Chancen auf Erfolg. Sein gigantisches Projekt für den Park des 300. Gründungstages von St. Petersburg scheint bei manchen Politikern der Stadt auf Gegenliebe zu stoßen.
Vor einigen Tagen machte Zereteli ausgewählte Abgeordnete der Gesetzgebenden Versammlung und führende Künstler der Stadt mit seinen Plänen vertraut. Im Park des 300. Gründungstages von St. Petersburg am Nordufer des Finnischen Meerbusens sollen 74 Büsten aller russischen Fürsten und Zaren in Lebensgröße, ein Springbrunnen, eine Skulpturenkomposition namens „Die Kraft und Gerechtigkeit Russlands“, 120 Laternen, eine Unmenge Parkbänke und eine Kapelle mit den Namen von allen Opfern der Belagerung errichtet werden.
Zereteli schätzt sein gigantomanisches Projekt auf 15 Millionen Dollar. Zur Umsetzung soll seiner Meinung nach ein Wohltätigkeitsfonds geschaffen werden. Nach Informationen der Tageszeitung „Iswestija“ sind die 74 Büsten schon fertig. Und nicht nur das – die als „Fenster nach Europa“ betitelte Idee, in deren Zentrum der Gründerzar Peter I. sich vor eben diesem in allegorischer Form dargestellten Mauerdurchbruch erheben soll, wird Petersburg bereits zum dritten Mal vorgelegt.
Petersburgs Hauptarchitekt Iwan Uralow berichtete, dass Zereteli schon Jahre vor dem 300. Stadtgeburtstag vorgeschlagen hatte, die Monumental-Komposition im Frunsenski-Stadtbezirk aufzustellen. Damals habe er eine Abfuhr erhalten. Später war er mit derselben Idee wiedergekommen, dieses Mal aber für den Park des 300. Gründungstages von St. Petersburg. Für dessen Gestaltung hatte man aber ein anderes Projekt bevorzugt, das dann schließlich auch umgesetzt wurde.
Uralow wundert sich darüber, dass Zereteli nun erneut mit dem alten, bereits zwei Mal abgeschmetterten Konzept auftritt. Seiner Meinung nach verträgt der Park keine Überladung durch künstlerische Elemente. Er versinnbildliche die Einheit von Erde, Wasser und Himmel und sei ein Ort der Erholung für die Bürger. Und: „Alles muss ausgewogen und taktvoll sein und dem Petersburger Geschmack und seinen Traditionen entsprechen“, sagt Uralow.
Doch anders als sonst, wenn Zereteli mit seinen großspurigen Angeboten an die Nördliche Hauptstadt herantrat, kann er dieses Mal auf Unterstützung von einflussreicher Seite hoffen. Wadim Tjulpanow, Speaker des Stadtparlaments, findet die Büsten schön und freut sich, dass Petersburg ein Projekt von solch ausladenden Maßen offeriert bekommt. Albert Tscharkin, Vorsitzender des Petersburger Künstlerverbandes, bezeichnet den Entwurf seines Berufskollegen als „Wunder“. Ein gewichtiges Argument ist für beide, dass „selbst Wladimir Putin“ seine Zustimmung signalisiert habe.
Die gegenteilige Meinung bringt der Stadtabgeordnete Alexej Kowaljow unverblümt zum Ausdruck: „Zeretelis Werke aufzustellen ist eine Schande für die Stadt!“ Wie dem auch sei – Ende November soll es in Petersburg zu einer öffentlichen Anhörung kommen. Ob dazu nur Profis aus der Sparte zugelassen werden, wie Zereteli laut „Iswestija“ fordert, oder aber auch die Bürger zu Wort kommen, wird sich zeigen. (sb/.rufo)
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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)