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Donnerstag, 17.03.2005
Zeretelis Gigantomanie in der Manege
St. Petersburg. Am Mittwoch öffnete die erste Einzelausstellung des wohl bekanntesten und umstrittensten Bildhauers der Gegenwart in St. Petersburg ihre Pforten. Im Manege-Ausstellungssaal am Isaakplatz sind bis zum 8. April rund 800 Kunstwerke des georgischen Meisters zu sehen. Surab Zereteli, berühmt und berüchtigt für seine gigantischen Skulpturen, nähert sich Petersburg damit von einer anderen Seite – nicht als schenkwütiger Monumentalist, sondern einfach als Künstler, der dem Publikum einen Querschnitt aus seinem Schaffen präsentiert.
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Wo auch sonst kann das passieren, wenn nicht in der Manege, kommt dem Betrachter als erstes in den Kopf. Dieser Saal ist der weitaus größte und höchste der Stadt und kann so gut wie alles unterbringen, was an Kunst geschaffen wird. Zereteli, der unbestrittene Meister der gigantischen bildhauerischen Formen, bewies aber auch in dieser Frage seine Exklusivität – mehrere Objekte konnten nur mit Mähe und Not durch die Türen gezwängt werden.
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Wer sich also über den gigantischen Peter I. am Hauptportal wundert, sei getröstet – dahinter steckt kein Schwindel erregender Konzeptualismus (wie etwa eine beabsichtigte Konfrontation des Stadtgründers mit seinem eigenen Werk o. ä.), sondern die schlichte Tatsache, dass der bronzene Kaiser ein paar Nummern zu groß für die Eingangstüren der Mange ist. Also muss er draußen bleiben.
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Werbung war nicht nötig
Die Veranstalter nutzten die Gunst der Stunde und verwandelten Peter I. in eine Art Werbeplakat für die Ausstellung. Zumindest bei der Vernissage war dies aber völlig überflüssig – der Andrang war derart stark, dass nicht alle in die heiligen Hallen Zutritt erhielten. Ein Teil der potentiellen Vernissage-Besucher musste draußen bleiben.
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Wer denkt, dass Zereteli allein Bildhauer ist, wird jetzt eines Besseren belehrt. Neben großformatigen Darstellungen des Dichters Joseph Brodski, von Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow und dem Barden Wladimir Wyssotzki sind auf der Schau in der Manege jede Menge Gemälde, Graphiken und Emaillen zu sehen.
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Zeretelis Schaffen mag konträre Meinungen hervorrufen, klar ist aber schon jetzt, dass diese Ausstellung ein Renner wird. Schlangen an den Kassen hat es schon lange nicht mehr gegeben in der Petersburger Ausstellungswelt – in diesem Falle sind sie mehr als wahrscheinlich.
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Kein Wort über beabsichtigte Schenkungen
Die Petersburger dürfen sich um so mehr über die ungewöhnliche Schau freuen, als dass Maestro Zereteli diesmal kein Sterbenswörtchen über eine mögliche großzügige Gabe an die Stadt verloren hat. Mit seinen gut gemeinten Vorschlägen, eine seiner gigantischen Kompositionen an den Newa-Ufern aufzustellen, hatte er in den letzten Jahren immer wieder Panik unter den Kunstverständigen der Stadt ausgelöst.
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Zeretelis hypergroßes Peter-Denkmal, das inzwischen eine Moskauer Sehenswürdigkeit ersten Grades geworden ist, kann sich niemand in der ebenmäßigen Stadtsilhouette von St. Petersburg vorstellen. Solange Zereteli aber nur kommt, um seine Werke zu zeigen, ist er auch an der Newa herzlich willkommen. (sb/.rufo)
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