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Der weibliche Star schlechthin: Madonna singt im Sommer in St. Petersburg (Foto: Shankbone/wikipedia)
Der weibliche Star schlechthin: Madonna singt im Sommer in St. Petersburg (Foto: Shankbone/wikipedia)
Donnerstag, 19.03.2009

Madonna trifft Fallschirmjäger auf dem Schlossplatz

St. Petersburg. Weltstar Madonna gibt am 2. August ihr einziges Konzert in Russland - open-air in St. Petersburg. Vorausgesetzt, es wird genehmigt und die an diesem Tag feiernden Fallschirmjäger bleiben friedlich.

Die Pop-Diva von Weltrang wird in diesem Sommer ihre Tournee „Sticky and Sweet“ fortsetzen, die sie 2008 schon durch 58 Städte führte – der Riesenerfolg verlangt nach mehr. Für den 2. August ist dabei das einzige Konzert in Russland angesetzt.
Im September 2006 hatte Madonna ihren bisher einzigen russischen Auftritt im Moskauer Luschniki-Stadion. Diesmal wurde zum Veranstaltungsort der für derartige Top-Openairs gerne genutzte Schlossplatz in St. Petersburg bestimmt: Die Bühne steht dabei direkt neben dem Musentempel Eremitage, was für sich genommen bereits die Latte des Kultur- und Showniveaus mächtig hoch legt.

Krise hin oder her: Madonna ist nicht billig


Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen: Einfache Fans können sich Tickets zu Preisen zwischen 2.000 (44 Euro) und 10.000 Rubel (220 Euro) sichern. Wer dem Star etwas näher sein will und dabei doch „unter sich“ bleiben will, kann sich für 15.000 bzw. 30.000 Rubel in die beiden VIP-Zonen einkaufen.

Allerdings ist Eile geboten, denn laut Konzertveranstalter Jewgeni Finkelstein von der Agentur RMI sind von den 50.000 angebotenen Karten schon 25.000 verkauft und zudem 8.000 für ausländische Fans reserviert.

Pop-Muffel stänkern im Stadtparlament gegen Madonna


Die Tatsache, dass die Billets schon unters Volk gebracht werden, bevor das Konzert überhaupt genehmigt ist, rief gestern allerdings einige Abgeordnete des Stadtparlaments auf den Plan. Oleg Nilow, der Fraktions-Chef der Partei „Gerechtes Russland“ bemängelte in einer Eingabe an Gouverneurin Valentina Matwijenko, dass für dieses Konzert der Platz und einige umliegende Straßen für die Allgemeinheit gesperrt werden sollen.

Dies sei aber nach dem Städtebaukodex unzulässig, behauptete er – erklärte aber nicht, wie bisher Jahr für Jahr mehrere vergleichbare Großveranstaltungen dort stattfinden konnten.

Stürmen angeheiterte Fallschirmjäger die Bühne?


Ein anderer Abgeordneter meinte, aus dem Konzert würde ohnehin nichts werden: Denn just am 2. August feiern im Petersburger Stadtzentrum traditionell die Reservisten der Fallschirmjägertruppe ihren Branchen-Feiertag – was üblicherweise nicht ohne Krawall und feuchtfröhliche Bäder in den städtischen Springbrunnen abgeht.

Die Fallschirmjäger würden Madonnas Bodyguards wegfegen, ihr in den Hintern kneifen – „und dann verschwindet sie und kommt nie wieder“, so die Behauptung von Alexej Kowaljow.

Und auch Kulturkomitee-Chef Anton Gubankow bezeichnete bei der Diskussion ein solches Konzert auf Petersburgs edelstem Platz als „Naturkatastrophe“. Abgesehen davon sei es bislang weder von der Stadtverwaltung noch von der Eremitage genehmigt.

Stadt und Veranstalter sehen keine Probleme


Das habe aber nichts zu bedeuten, so Konzermanager Finkelstein: Die Genehmigung einer solchen Großveranstaltung brauche eben viel Zeit. Im Falle eines vergleichbaren Pop-Highlights auf dem Schlossplatz, dem Openair-Konzert von Paul McCartney 2004, hätten die Instanzen erst fünf Tage vor dem Termin formell grünes Licht gegeben.

Bei Russland-Aktuell
• Pink Floyd zum Wirtschaftsforum auf dem Schlossplatz (02.06.2008)
• McCartney – ein Elefant im Porzellanladen? (22.06.2004)
• Die Alexandersäule gehört bald zur Eremitage (02.09.2008)
• Umfrage: Moskauer Deutsche eher keine Madonna-Fans (12.09.2006)
• Madonna singt vor 50.000 Moskauern (13.09.2006)
Doch schon einige Stunden später gab sich Gubankow gegenüber der Zeitung „Kommersant“ wieder ganz als der beflissene Kultur-Manager, der so ein Event locker schaukelt: Die Genehmigung sei beim städtischen Kulturkomitee bereits in der Abschlussphase, ernsthafte Widersprüche gebe es auch mit der Eremitage nicht.

Eventuelle Probleme mit den Luftlande-Veteranen ließen sich durch Sicherheitsmaßnahmen und einigen Freikarten für diesen Personenkreis sicher auch ausschließen, erklärte er.

Einige Stunden Zeit, um sich aus dem Weg zu gehen


Konzertveranstalter Finkelstein sieht auch keinen Ärger mit den harten Jungs in den Ringelunterhemden und den grünen Baretten auf sich zukommen: Er stehe in Kontakt mit einigen derer Vereine und habe dabei in Erfahrung gebracht, dass die Ex-Fallschirmjäger sich immer schon gegen Mittag am Schlossplatz treffen, dann zum Marsfeld und schließlich zu einer großen Feier in den Park auf der Jelagin-Insel weiterziehen – und die liegt weitab der Innenstadt. Das Madonna-Konzert beginnt hingegen erst um 19.30 Uhr.

Zu Kollisionen zwischen Glamour suchenden Pop-Fans und Wodka-trunkenen Tschetschenien-Haudegen sollte es deshalb schon rein zeitlich nicht kommen.



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