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Solidarität per Rücken-Text: Madonna bei ihrem Auftritt in St. Petersburg (Foto: fontanka.ru)
Solidarität per Rücken-Text: Madonna bei ihrem Auftritt in St. Petersburg (Foto: fontanka.ru)
Freitag, 10.08.2012
Aktualisiert 10.08.2012 18:51

Madonna unterstützt Petersburger Schwule bei Konzert

St. Petersburg. Auch das Madonna-Konzert in Petersburg blieb nicht ohne politischen Unterton: Hier zeigte der Weltstar schon nicht mehr seine Solidarität mit Pussy Riot, sondern mit der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Zum Lied „Like a Virgin“ entledigte sich die Sängerin ihres Hemdes – und zeigte auf ihrem Rücken die Aufschrift „No fear“ (keine Angst). Beim Konzert in Moskau hatte an dieser Stelle „Pussy Riot“ gestanden.

Mit einer kleinen Rede forderte die Pop-Diva bei dem Konzert gestern Abend in der Halle „SKK Peterburshski“ die Angehörigen von sexuellen Minderheiten auf, für ihre Rechte zu kämpfen, berichtet „fontanka.ru“.

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Petersburg gilt als Wiege des neuen Schwulen-Hasses


Das vom Petersburger Stadtparlament im Frühjahr verabschiedete Gesetz stellt aus Gründen des Jugendschutzes „die Propagierung von Homosexualität“ in der Öffentlichkeit unter Strafe. Auch zahlreiche andere russische Regionen haben inzwischen ähnliche Regelungen erlassen, die faktisch einem Demonstrationsverbot für sexuelle Minderheiten gleichkommt. Auch eine landesweite Einführung derartiger Beschränkungen hat wegen der allgemeinen Ablehnung von Schwulen und Lesben in der russischen Gesellschaft gute Chancen.

Madonna ging aber nicht konkret auf die Petersburger Rechtslage ein, sondern appellierte allgemein dafür, mit Liebe und Toleranz für die „Freiheit, die zu sein, die wir sind“ zu kämpfen.

Anschließend forderte Madonna die Zuschauer auf, zum Zeichen der Zustimmung die Hände zu erheben – wobei zuvor am Eingang für alle, die sich solidarisch zeigen wollten, rosa Armbändchen verteilt worden waren.

Schlossplatz weiterhin von Madonnas Geist befleckt


Wie auch in Moskau war der Petersburger Madonna-Auftritt auch von Protesten begleitet. So wollte eine Gruppe orthodoxer Aktivisten von einem Priester der Schlossplatz vom teuflischen Geist Madonnas reinigen lassen, da die Sängerin dort vor einigen Jahren bei einem Open-air aufgetreten war. Der Geistliche kam zwar, doch verdrückte er sich wieder vor der geplanten Exorzismus-Zeremonie, weshalb diese ausfiel.

Lokalpolitiker: Madonnas Kritik gegen Schwulen-Gesetz verstößt gegen Selbiges


Das Petersburger Madonna-Konzert verspricht zudem ein juristisches Nachspiel zu bekommen: Wegen eines Verstoßes gegen das von ihm initiierte Anti-Schwulen-Gesetz kündigte der städtische Parlamentarier Witali Milonow am Freitag per Twitter eine Anzeige gegen den Star und den Konzertveranstalter an.

Der Sängerin droht demnach eine Geldstrafe von maximal 5.000 Rubel (ca. 128 Euro), der Veranstalter könnte als juristische Person jedoch mit 500.000 Rubel zur Kasse gebeten werden.

Rogosin stänkert gegen eine "gealterte Hure"


Unterdessen hat der als konservativ bekannte Vizepremier Dmitri Rogosin in seinem Twitter-Blog Madonna unflätig beschimpft. „Jede ehemalige gealterte Hure gibt sich Mühe, Morallektionen zu erteilen, erst recht bei ausländischen Tourneen und Gastspielen“, twitterte er – wobei er für „Hure“ einen mit „b.“ abgekürzten russischen Kraftausdruck verwendete.

Nach der darauf folgenden heftigen Reaktion von Netzgemeinde und Medien schaffte es Rogosin, gleichzeitig zurückzurudern und noch einen draufzusetzen:

„Man hat meine Aussage mit der sog. Madonna (Hol sie der Teufel) in Verbindung gebracht, obwohl ich über sie doch kein Wort gesagt habe“, so Rogosin. „Das bedeutet also eine gefestigte öffentliche Meinung.“



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Stoll 10.08.2012 - 23:49

Bravo Madonna

Ja es gehört Mut dazu, in der Höhle des Löwen für Schwule und Lesben einzutreten. Auch Madonna wird von der internationalen Solidarität geschützt, die Pussy Riot in den vergangenen Monaten in immer größerer Breite erreicht hat. Der Altherrenriege bleibt der Löffel im Hals stecken, die mit immer größeren Erstaunen feststellen mußten, dass auch unter den gläubigen Russen der Ruf nach Freiheit für Pussy Riot stetig zunahm.
Eine nachhaltige Modernisierung Russlands kann nur mit einer vielfältigen und offenen Zivilgesellschaft gelingen. Unter Putin wird das nicht gelingen, aber das haben die Russen jetzt schon begriffen.


Royaler 10.08.2012 - 09:59

Madonna, Gebet, Zukunft - danke schön!

Das Patriarchat ist elektrisiert und vibriert; Ergebnis wie am Altherrenstammtisch: schlechtes Benehmen.

(Man erinnere sich noch an den Präservativ-Vergleich des Präsidentschaftskandidaten zu den
weißen Bändern, gleicher Ton, gleiche semantische Scharge)

Diese Lady, wohlgemerkt in kommerzieller Show, mischt ordentlich auf, genauso wie Puzzy Riot; die Damen sind im Kommen.

Es gäb noch viele Themen im weiten Russland, die man sich auf den erweiterten Nacken schreiben könnte:
SPb:
\"No fear\" gegen die Petersburger Diskriminierungsverordnung zu Schwulen, Lesben und Solidarischen.
Moskau
\"Pussy Riot\" gegen staatliche Hetze wg. politischen Protests.
(plus Gebet von Madonna selbst,
Like a Virgin)

Jekaterinenburg

Perm

Wladiwostok

Wolgograd

Kasan

...

...

Madonna sollte in noch mehr Städten mit jeweils einem neuen
Thema auftreten, das würde die russischen Schlagzeilen bei entsprechender Beachtung durch die Staatsoberen beherrschen.

Kommerzialität steht hier leider im Weg, Madonna ist zu teuer für alles unter 5.000.000 Einwohner.

Aber es gibt ja weltweit noch mehr flotte junge oder ältere KünstlerInnen, also Hoffnung für die russische Zukunft!


Royaler 10.08.2012 - 09:36

Lachkabinett zu "B"

\"Jede ehemalige gealterte Hure ...\"

Mal nur hypothetisch formuliert:

\"Jeder Höhergestellte im russischen Staatsdienst* - weil immer weniger, wie neueste russischtreue Ideen vorsehen, von ausländischem Einfluss berührt -
benimmt sich in der Tendenz denkbar schlecht, hat faschistoide
Züge und ist auf jeden Fall antidemokratisch.\"

* Anmerkung: ausgeschlossen, dass jemand im Staatsapparat eine alternde Hure ist (B)

Wichtig ist natürlich das \"Jedermann oder Jederfrau\", damit meinte ich in der Tat in gar keiner Weise eine bestimmte Person, die mindestens des Teufels ist, und schon gar niemand, der etwa einem konkret gezeigten Verhalten ähneln würde, obwohl es da wohl etliche gibt.

Und nun die Rätselfrage an die werten Leser: Wen könnte der Künstler wohl nicht gemeint haben.

Nochmal zur Verdeutlichung: es soll sich bei den obigen Aussagen
um einen nahezu hilflosen Satireversuch handeln, hat also
vom Aussagewert nur bedingt Realitätsrelevanz, wie das so ist Satire.

Russlands Staatsführung als Witzfiguren und Lachkabinett?


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