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| Der Eingang der Ausstellungshalle Manege in der Nähe des Schlossplatzes von St. Peterburg (Foto: Deeg/.rufo). | |
Freitag, 03.08.2007
St. Petersburger Manege –Tradition und Innovation
St. Petersburg. Der zentrale Ausstellungssaal „Manege“ wird 300 Jahre alt. Wo früher Pferde trabten, finden heute Ausstellungen und Messen statt. Vom 04. bis 14. August öffnet hier wieder die zeitgenössische Kunstschau „Dialogi“.
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Die Manege ist allen Petersburgern ein Begriff – der eine hat dort eine Kunstausstellung gesehen, die andere besuchte dort die Schmucksteinmesse. Oder aber man ist weniger an Kunst interessiert und hat dort an einer der zahlreichen Gewerbemesse teilgenommen.
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Sehr wandelbar
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Die riesige ehemalige Reithalle mit zwei großflächigen Etagen passt ihr Gesicht jeweils schnell einer neuen Aufgabe an. Jährlich gehen rund 30 Projekte über die Bühne, von denen die vier Ausstellungsabteilungen der Manege etwa die Hälfte selbst gestalten – Tendenz steigend.
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Die Vielfalt des Veranstaltungsangebots ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Pluspunkt: Zum einen, weil damit ein breites Publikum angezogen wird. Zum anderen, weil die kommerziellen Ausstellungen jene Einnahmen in die Kasse bringen, die den spezialisierten Museen fehlen.
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Berührungsängste der Nachbarn
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Doch dafür fehlt der Manege ein eigentliches Profil – das ist vor allem im Kunstbereich ein wichtiges Kriterium. Larissa Skobkina, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, bedauert das. Sie versucht jedoch das Beste aus der Situation zu machen.
Seit 1993 führt die Manege zweijährlich das internationale Festival „Dialogi“ durch. Was mit einem spontanen Gruppenprojekt von fünf bis acht Künstlern begann, ist heute eine Großveranstaltung, an der sich rund 100 Künstler aus 23 Ländern beteiligen. Die meisten davon sind Künstler aus Westeuropa und Übersee, während sich ihre Kollegen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken inzwischen rar machen.
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Kunst mit nationalen Wurzeln
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| Larissa Skobina ist Kuratorin für zeitgenössische Kunst (Foto: von Arb/.rufo). | |
„Es ist sehr schwierig geworden, sie zum Mitmachen zu bewegen – leichter präsentiere ich hier einen Künstler aus Mexiko oder Indien als einen aus dem Baltikum oder Tadschikistan“, erzählt Skobina.
„Viele haben Angst, dass man sie hier wie Künstler aus einer russischen Kolonie behandeln würde. Dabei freuen wir uns sehr, Gäste aus diesen Ländern zu haben – vor allem, wenn man ihrer Kunst die nationalen Wurzeln noch anmerkt.“ Doch allmählich stellt sich wieder Vertrauen ein, findet Skobina.
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Das Budget ist beschränkt
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Dieses Jahr werden sich neben Kunstschaffenden aus dem westlichen Ausland, wie Lejf Elggren (Schweden), Monika Koch (Deutschland), Mizuko Tschapa Mjakawa (Japan-USA) und Markus Antonius Jansen (USA) auch Abdurachim Dschabarow aus Tadschikistan und Dmitri Kustanowitsch aus Weißrussland bei dem Festival vorstellen.
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„Viele Künstler kommen wieder oder empfehlen unser Festival weiter“, meint die Kuratorin zufrieden. „Leider können wir keine großartigen Honorare zahlen, darum beteiligten sich bisher kaum Welt-Kunststars.“
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Brücke zwischen traditionellen und neuen Kunstrichtungen
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| Gehen Sie rein, dann können Sie rausgucken - moderne Installation in der Manege (Foto: von Arb/.rufo). |
Um auf dem Laufenden zu bleiben, besucht Skobkina die Biennale in Venedig und die Documenta in Kassel. Nicht zufällig nimmt Performance-Kunst einen wichtigen Platz im Programm ein – die räumliche Vielseitigkeit der Manege, die problemlos auch als Bühne dienen kann, bietet dafür die besten Voraussetzungen.
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Aus demselben Grund gehören auch Konzerte und Dichterlesungen zum Repertoire des Ausstellungssaals. Als Höhepunkte der vergangenen Jahre bezeichnet Skobkina den Auftritt des britischen Künstlers Anthony Howell, der in einer Freiluft-Performance um die Manege die Pferde wieder auferstehen ließ.
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In guter Erinnerung sind ihr außerdem die Auftritte von dessen Landsmann Michael Matthew, der mit einer beeindruckenden Performance auf den Untergang des Atom-U-Boots „Kursk“ reagierte, indem er für jeden ertrunkenen Matrosen ein Gläschen Wodka trank und laut dessen Namen verlas. Doch mit der starken Präsenz neuer Kunstarten sind die klassischen Techniken nicht weg vom Fenster.
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„Vielerorts ist in der zeitgenössischen Kunst kein Platz mehr für Malerei, Skulptur und Grafik“, schildert Skobkina die Situation. „Das möchten wir vermeiden und eine Art Brückenfunktion zwischen den Kunstrichtungen übernehmen.
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Viele Künstler erhalten dadurch neue Impulse und schätzen diese Vielfalt. Außerdem tragen wir damit der akademischen Ausrichtung des russischen Publikums Rechnung.“
(eva/.rufo/St. Petersburg)
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