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Der Minirock gefällt nicht allen Petersburgern in der Öffentlichkeit (Foto: versii)
Der Minirock gefällt nicht allen Petersburgern in der Öffentlichkeit (Foto: versii)
Donnerstag, 28.07.2011

Verbot für Miniröcke? Dress-Code für St. Petersburg

St. Petersburg. St. Petersburg ist Russlands Kunsthauptstadt, Stadt der Schlösser und Museen. Dem Anspruch sollen auch die Einwohner genügen. Shorts und Mini-Röcke sind tabu – so zumindest will es eine Bürgerinitiative.

Der Sommer ist wieder einmal extrem heiß in Russland. In den Steppengebieten der südlichen Wolga erreichen die Temperaturen über 40 Grad, in Moskau sind es rund 35 Grad. Auch im nördlichen St. Petersburg liegen die Höchstwerte seit Wochen um oder über 30 Grad im Schatten.

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Temperaturen steigen, Hüllen fallen


In der Hitze fallen schon mal die Hüllen. Doch in St. Petersburg wird dies nicht von allen gern gesehen: „Wir gehen doch auch nicht im Bikini ins Mariinski-Theater, nur weil uns warm ist und es uns so bequemer erscheint. Und in Petersburg gibt es nicht nur Theater, sondern auch die Eremitage, das Russische Museum und den Newski Prospekt“, erregte sich Iwan Arzischewski, Mitglied der ehemaligen Zarenfamilie Romanow.

Bei Russland-Aktuell
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Er schlägt daher vor, Shorts und Mini-Röcke aus dem Stadtbild zu verbannen. Wer sich nicht an den Dress Code der ehrwürdigen Stadt halte, müsse mit einem Ordnungsgeld bestraft werden, fordert Arzischewski, der das Herumlaufen in „unanständig kurzer“ Kleidung in eine Reihe mit Trinken in der Öffentlichkeit stellt.

Besonders beschämend findet er, dass einige Männer mit freiem Oberkörper durch die Stadt laufen – vorbei an Eremitage und anderen altehrwürdigen Einrichtungen

Statt Ausziehen leichte Stoffe tragen


Arzischewski ist nicht allein mit seiner Meinung. Auf einer Pressekonferenz zum Dress Code in St. Petersburg stand dem Sprössling der Zarenfamilie die bekannte Schauspielerin und Moderatorin Anastasija Melnikowa bei. Auch sie fordert mehr Anstand von den Petersburgern.

Gegen Hitze helfen leichte Stoffe wie Seide, rät sie. Damit könnten sich die Damen züchtig bedecken und trotzdem nicht ins Schwitzen geraten, so Melnikowa.

Die Initiative ist nicht die erste in St. Petersburg zur Durchsetzung eines Dress Codes. Schon im vergangenen Jahr – während des Rekord-Hitzesommers – hatte die regionale LDPR-Vertretung ungerührt gefordert, Minis und Shorts zu verbieten.

Anfang dieses Jahres wollte die russisch-orthodoxe Kirche sogar landesweit einen züchtigen Dresscode durchsetzen.

Petersburger sind gegen die Initiative


Die Stadtverwaltung hat sich bisher nicht zu den Vorschlägen geäußert. Die meisten Petersburger hingegen zeigen den Initiatoren die kalte (und nackte? ) Schulter. Es sei das gute Recht, eines jeden Menschen, sich seine Kleidung selbst auszusuchen, so der allgemeine Tenor.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Vorschlags dürfte zudem die Frage bereiten. Was ist zu kurz und wer entscheidet darüber? Am Ende müssten die Ordnungshüter in der Newa-Metropole noch mit einem Maßband herumlaufen, um zu prüfen, ob die Rocklänge das geforderte Mindestmaß aufweist.



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Paulsen-Consult 08.09.2011 - 22:19

St. Petersburg am Hudson

Es könnte sein, dass sich die Petersburger ungewollt der amerikanischen Mentalität nähern. Sexuelle Provokation steht am Hudson nämlich direkt neben abgrundtiefer Prüderie. Die Amerikaner sind mal Kinder, die das sexuelle Alter noch nicht erreicht haben und mal durchgeknallte Pubertierende. Egal in welchem dieser Zustände sie gerade oszillieren, in jedem Falle sind sich absolut sicher die richtige Einstellung zu haben. Selbstkritik Fehlanzeige.
Ich hoffe nur, dass die Ich hoffe, dass die Petersburger nicht in die gleichen Extreme verfallen.


Überb