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Nicht alles, was wie eine Wechselstube aussieht, ist auch eine (Foto: kp/.rufo)
Nicht alles, was wie eine Wechselstube aussieht, ist auch eine (Foto: kp/.rufo)
Dienstag, 02.12.2008

Aufgepasst! Betrug in Wechselstuben aufgeflogen

St. Petersburg. Nicht nur beim einst so populären “Schwarztausch“ auf der Straße, auch beim Geldtauschen in einer Wechselstube kann man beträchtlich übers Ohr gehauen werden. Das Geld verschwindet dabei unbemerkt.

In St. Petersburg sind jetzt zwei „Obmen valuty“ (Geldwechsel) geschlossen worden. Ehrlicherweise hätten die Betreiber sie „Obman valuty“ (Devisenbetrug) nennen müssen – denn die beiden Schalter am Newski Prospekt 122 und an der Kirotschnaja Uliza 34 dienten als Fallen, um potentielle Kunden mächtig übers Ohr zu hauen.

Mitte November hatte ein Petersburger Anzeige erstattet, der in einer dieser Wechselstuben eine Million Rubel (ca. 28.500 Euro) umtauschen wollte. Der angeschriebene Kurs war dabei verlockend günstig.

Scheinbar hat niemand das Geld angefasst ...


Nachdem er seine Rubel in die übliche Metallschublade am Schalter gelegt hatte, teilte ihm die dahinter sitzende Dame allerdings mit, dass der Kurs nicht korrekt angeschrieben sei. Und außerdem hätte sie nur kleine Scheine auf Lager.

Daraufhin erbat der Kunde sein scheinbar unberührt in dem Fach liegendes Geld zurück, packte die Geldbündel wieder in die Tasche und ging. Erst später stellte er fest, dass 200.000 Rubel fehlten.

Bei Russland-Aktuell
• Dollarkurs steigt nach Gerüchten über Rubelabwertung (20.10.2008)
• Ausgehoben: Moskauer Bande wäscht 60 Milliarden Rubel (09.10.2007)
• Obman waluty: Betrug in Moskauer Wechselstuben (02.08.2007)
• Unbekannte klauen 20 Tonnen Käse in Moskau (31.10.2008)
Die 24 Jahre alte Frau, die in der Wechselstube festgenommen wurde, war fast sofort geständig. Wie sich herausstellte, hatte sie diesen und einen zweiten analog ausgerüsteten Raum auf ihren eigenen Namen angemietet und als Wechselstube dekoriert. Eine Lizenz zum Geldtauschen besaß sie dabei nicht.

Der Clou verbarg sich in der präparierten Metallschublade unter dem Schalterfenster: Durch eine seitliche Luke konnte die Betrügerin während des Gesprächs mit dem Kunden hinein fassen und einen Teil des Geldes entnehmen.

Laufkundschaft mit Kleinbeträgen war nicht interessant


Bestohlen wurden dabei nur Kunden, die eine größere Menge Geldscheine umtauschen wollten und deshalb nicht gleich bemerken konnten, dass etwa fehlte. Allen anderen wurde unter Angabe irgendwelcher Ausreden der Geldtausch verweigert.

Obwohl die junge Betrügerin ihre beiden Wechselstuben offenbar abwechselnd nur persönlich betrieb, wollte ihr die Polizei nicht abnehmen, dass sie ohne Komplizen arbeitete.

Komplize wollte Betrügerin bei der Polizei auslösen


Einen Mitstreiter gelang es auch, ohne Schwierigkeiten festzunehmen: Ein Georgier kam tags darauf zur Polizei und bot den Fahndern 50.000 Rubel (1.400 Euro) „Lösegeld“ an, wenn sie die junge Dame wieder laufen ließen. Eine Beteiligung an den Betrugsmanövern streitet der Mann zwar ab, doch wurde er vorerst wegen versuchter Bestechung festgenommen.

Beim Verhör des aus Moskau angereisten Paares ergab sich angeblich, dass in der Hauptstadt noch 20 derartige Betrugsstuben arbeiten. Egal wo, es ist also Vorsicht angesagt, wenn man zum Bargeldtausch nicht zu einer Bankfiliale, sondern zu einer Hinterhof-Wechselstube geht!

Zwischenzeitlich meldete sich bei den Petersburger Wirtschaftskrimi-nalisten ein zweites Betrugsopfer der Jung-Unternehmerin: Dem Mann fehlten nach einem Tauschversuch 4.400 Dollar.



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