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Der Schiffbau setzt noch stärker auf Rüstungsaufträge. (Foto: Archiv)
Der Schiffbau setzt noch stärker auf Rüstungsaufträge. (Foto: Archiv)
Mittwoch, 06.05.2009

Ausweg aus der Krise: Vom Traktorenbau auf die Werft

St. Petersburg. Die Kirow-Werke, einer der größten Petersburger Arbeitgeber, müssen im Sommer bis zu 1.000 Arbeiter entlassen. Wie jetzt bekannt wird, kann der Großteil auf eine Beschäftigung bei der „Nordwerft“ hoffen.

Mindestens 800 der rund 2.500 Angestellten der „Metallurgie-Werke“ (ein Tochterunternehmen der Kirow-Werke) werden im Sommer dieses Jahres entlassen. Der Grund ist ein eklatanter Auftragsrückgang seitens der russischen Automobilhersteller. Die geplanten Mitarbeiterkürzungen gehören in St. Petersburg zu den größten seit Ausbruch der Krise.

Jetzt scheint ein Ausweg für die von der Entlassung bedrohten Arbeiter gefunden – die Nordwerft hat volle Auftragsbücher bis 2013 und will bis zu 1.000 neue Mitarbeiter einstellen. Der Rüstungsbetrieb hat zurzeit 14 Schiffe im Bau, unter anderem für Norwegen, Algerien und für den russischen Eigenbedarf.

Nach Angaben der Werftleitung sollte auch die Umschulung der jetzt vorwiegend in der Stahlproduktion tätigen Arbeitskräfte kein Problem sein. Die Nordwerft braucht Leute für die Metallverarbeitung und will die Kosten für eine Weiterbildung selbst tragen.

Rüstungsindustrie federt Folgen der Krise ab

Bei Russland-Aktuell
• Krise total: Rüstungswerk zahlt Lohn in Nudeln aus (09.04.2009)
• Medwedew redet von Rüstung, weil Friedensrede ignoriert (17.03.2009)
• Russland Weltmarktführer beim Waffenexport (30.10.2006)
• Russische Rüstungsindustrie hat Auftragsärger (26.02.2008)
• Russland subventioniert eigene Schiffbau-Industrie (15.02.2007)
Ein probates Mittel gegen die Krise sind Staatsaufträge, bei denen Rüstungsaufträge eine große Rolle spielen. Laut Denis Demin, im Unternehmen „Energokapital“ zuständig für die Marktanalyse, erlaubt Petersburgs Wirtschaftsstruktur die aktive Umleitung von Arbeitskräften aus krisengeschüttelten Branchen in prosperierende.

„Mehrere Großunternehmen, die steigende Staatsaufträge und private Großaufträge erfüllen können, erlauben es Petersburg im Moment, relativ schmerzlos mit den sozialen Folgen der Abkühlung der Wirtschaft umzugehen“, sagte Demin gegenüber dem „Kommersant“.

Die Petersburger Stadtregierung rechnet ihrerseits damit, in den nächsten Wochen Dutzende Großaufträge für die Rüstungsbetriebe an Land ziehen zu können. Rahmen sei das auf insgesamt 520 Milliarden Rubel (rund zwölf Milliarden Euro) ausgelegte Programm des russischen Verteidigungsministeriums, verlautet aus dem Smolny.

Schiffbau bekommt größtmögliche staatliche Unterstützung

Dies erklärte Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko am Dienstag bei einem Besuch auf der Nordwerft. Der Abschluss der Verträge für 2009 solle bis zum 15. Mai über die Bühne gehen.

Die bisherige Verzögerung bei den Vertragsabschlüssen habe bereits zu sozialen Spannungen in den Rüstungsbetrieben geführt, hatte ein hoher Gewerkschaftsvertreter bereits Ende April erklärt.

Experten halten Matwijenkos Besuch auf der Nordwerft für einen ernsten Hinweis darauf, dass gerade der Schiffbau am meisten von den neuen Rüstungsaufträgen profitieren wird. Präsident Medwedew hatte bereits im letzten Jahr auf die mangelnde Finanzierung des Schiffbaus hingewiesen. Das wird sich nun wohl ändern.



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