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Das WM-Stadion soll auf der Kaliningrader Oktoberinsel mitten in einem Neubaugebiet entstehen. (Foto: Plath/.rufo)
Das WM-Stadion soll auf der Kaliningrader Oktoberinsel mitten in einem Neubaugebiet entstehen. (Foto: Plath/.rufo)
Freitag, 21.09.2012

Kaliningrad: Fußball-WM-Traum fast ausgeträumt

Kaliningrad. Die WM-Euphorie hat sich abgekühlt in Kaliningrad, denn die Chancen, zu den Austragungsorten von 2018 zu gehören, schwinden. An den Stadion-Bauplänen auf der Oktoberinsel hält die Stadt einstweilen fest.

Noch eine Woche, dann will die FIFA ihre Entscheidung verkünden. Dann steht endlich fest, welche Städten und Stadien zu den Austragungsorten der Fußball-WM 2018 in Russland gehören.

Im Topf waren zuletzt noch 13 Städtekandidaten respektive 15 Stadien, davon drei allein in Moskau, doch dem FIFA-Komitee sind das noch zu viele. Russland ist groß, die Wege zwischen den Spielorten weit.

Sportminister Vitali Mutko sprach dieser Tage von „elf Städten und zwölf Stadien“ als optimale Anzahl, darauf wird es wohl in etwa auch hinauslaufen. Die Zeitung „Wedomosti“ meldete in der vorigen Woche unter Berufung auf eine FIFA-nahe Quelle, das Auswahlkomitee habe eine Entscheidung bereits getroffen: zehn Städte, zwölf Stadien.

Welche Bewerber rausfliegen, nannte das Blatt nicht, Minister Mutko zufolge zählen unter anderem Saransk, Jaroslawl und Kaliningrad zu den Wackelkandidaten. Die Städte seien relativ klein, Stadien mit 40.000 Plätzen machten dort nach der WM wenig Sinn.

Zudem hätten die Kaliningrader Gebietsbehörden wenig getan, um die Bewerbung der Stadt zu unterstützen. Ein Seitenhieb auf die Dauerfehde zwischen Gouverneur Nikolai Zukanow und Oberbürgermeister Alexander Jaroschuk?

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Der Behördenkrieg zwischen Rathaus und Gebietsregierung warf zweifellos auch auf die WM-Bewerbung Kaliningrads große Schatten – denn allein angesichts der nötigen Investitionen in Milliardenumfang wirkt das Kompetenzgezerre wenig förderlich.

Grundstück für Stadion schon reserviert


Unabhängig von der Entscheidung des Weltfußballverbandes will die Stadt an ihren Neubauungsplänen für die Oktoberinsel festhalten. Dort, auf der einstigen Königsberger Flussinsel Lomse zwischen den beiden Armen des Pregelstroms, soll das WM-Stadion gebaut werden

Ein 78.000 Quadratmeter großes Grundstück direkt am so genannten Ufer der Veteranen hat die Stadt dafür bereits reserviert und mittels Vorplanung mit Baurecht versehen.

„Wir haben für die Oktoberinsel mehrere ernsthafte Investoren, die dort langfristig tätig werden wollen, und wir werden die Zusammenarbeit mit ihnen fortsetzen, auch für den Fall, dass wir nicht zu den Austragungsorten der Fußball-WM gehören“, sagt Artur Krupin, Chef des Ausschusses für Bau und Architektur in der Kaliningrader Stadtverwaltung.

Planungen laufen weiter


Derzeit erarbeite ein Ingenieurbüro aus St. Petersburg den Entwurf eines Flächennutzungsplans, ab Anfang 2013 sollen in Etappen Detailplanungen für konkrete Bauprojekte, Infrastruktur und Verkehrsanbindung folgen.

Wie genau die Bebauung der Insel aussehen soll, wenn das alte Königsberg nicht Russlands westlichste WM-Stadt wird, und ob ein großes Fußballstadion dann überhaupt noch Sinn mache, ließ Krupin offen. Da dürften nach der Entscheidung der FIFA am 28. September die Karten noch einmal neu gemischt werden.

Den bisherigen Plänen und eingereichten Entwürfen mehrerer Architekturbüros zufolge soll zwischen dem Alten und Neuen Pregel ein komplett neues, modernes Stadtviertel entstehen mit modellhaftem Schwerpunkt auf das Miteinander von kleinteiligem Wohnen und Sportanlagen.

Die Vorschläge der Architekten reichen von einem Rudersportzentrum bis zur Radrennbahn. Im Mittelpunkt aller Entwürfe ragt aber ein riesiges Stadion aus dem Sportstädtchen „Ostrow“ heraus. Und das steht und fällt mit der Fußball-WM.

Doch noch ist der Traum ja nicht ganz ausgeträumt, eine Woche bleibt, und die Hoffnung stirbt wieder einmal zuletzt. Die Entscheidung treffe die FIFA allein, betont auch Sportminister Mutko. Will heißen: Moskau hat in diesem Fall nicht mitzureden. Das zumindest kann für Kaliningrad nur gut sein.



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Uwe Niemeier 21.09.2012 - 16:42

Die Nerven liegen blank - der Countdown beginnt

Der Sportminister, Witali Mutko, äußerte sich zu den Chancen der Bewerberstädte in den letzten Tagen öfter. In einem fast beschwörenden Kommentar vom 20.09. bat er die Beteiligten, doch die Kaffeesatzleserei oder irgendwelche Interpretationen irgendwelcher Informationen zu unterlassen. Am 29.09. wird J. Blatter in Moskau, wahrscheinlich im Rahmen einer TV-Direktübertragung, die von der FIFA getroffene Entscheidung kundtun. Leider bestätigte der Sportminister die, für mich persönlich nicht ganz so neue Information, das Kaliningrad nicht mehr zu den Favoriten gehört. Er unterteilte die Bewerberstädte in drei Gruppen: Gruppe-1 umfasst die Städte, die bereits bereit sind zur Durchführung der WM (Moskau, St. Peterburg, Kasan, Sotchi, Jekaterinenburg). Zur Gruppe-2 gehören die Städte, die in Kürze zur vollständigen Bereitschaft gelangen (Krasnodar und Samara). Die Gruppe-3 umfasst die Problemstädte (Jaroslawl, Wolgograd, Saransk, Kaliningrad), aus denen jetzt noch eine aussortiert wird.
Wenn Kaliningrad am 29.09. durch «die Maschen fällt» bleibt es nicht aus, die Frage nach dem WARUM zu stellen. Ich versuche es mir mal etwas einfach zu machen: Die Präsentation Kaliningrads vor der FIFA im Sommer war eine mittlere Katastrophe. Wer trägt dafür die organisatorische und politische Verantwortung? Nach der Präsentation setzten sich die unsäglichen Grabenkämpfe zum Standort des Stadions fort. Wer kämpfte da mit wem? Die ewigen Reibereien zwischen Gouverneur und Stadtoberhaupt dringen natürlich auch bis Moskau – nicht umsonst ist Stanislaw Woskresenski als neuer Vertrauter von Putin nach Kaliningrad entsandt worden. Aber vielleicht schon zu spät – zumindest für die WM2018? Wie man so hört, knistert es auch schon auf dieser allerhöchsten Gebietsebene - und das schon nach so kurzer Zeit! Ist es nicht jetzt schon, für aufmerksame Beobachter ersichtlich, dass es so nicht weitergehen kann? Wird Kaliningrad nicht Ausrichterstadt, sollte jemand hierfür die Verantwortung übernehmen – mit den richtigen Schlussfolgerungen. Das ist so üblich. Und sollte Kaliningrad Ausrichterstadt werden, so vermutlich nicht deswegen, weil die hiesigen Verantwortlichen alle an einem Strang gezogen haben, sondern vermutlich aus zwei anderen Gründen: erstens die geographische Lage Kaliningrads ist ideal und zweitens durch das persönliche Eintreten von Personen, die dem russischen Präsidenten sehr nahe stehen und Verantwortung für Kaliningrad tragen.


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