Donnerstag, 07.10.2010

Neuer Zug „Allegro“: In Schräglage nach Finnland

Dank Neigetechnik fegt der Allegro schneller durch Kurven auf der Strecke nach Helsinki (Foto: cpmaker/livejournal.com)
St. Petersburg. Ab dem 12. Dezember werden zwischen Petersburg und Helsinki Hochgeschwindigkeits-Züge verkehren: Der finnische Pendolino „Allegro“ schafft die Strecke in 3,5 Stunden – samt Grenzkontrolle im Zug.
Auf dem Finnländischen Bahnhof wurde heute einer der auf den Namen „Allegro“ getauften Züge erstmals der russischen Presse präsentiert. Mit der Einführung des vom französischen Alstom-Konzern gefertigten Neigetechnik-Expresszuges schrumpft die Fahrtzeit auf der 443 Kilometer langen Strecke von bisher 6 Stunden und 18 Minuten auf etwa dreieinhalb Stunden.

Mit 200 km/h nach Wyborg


Besonders viel Zeit wird auf dem russischen Streckenabschnitt gut gemacht: Bis zur Grenze schafft es der Allegro mit einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h in 90 Minuten. Gegenwärtig dauert es noch doppelt so lang. Auf finnischem Territorium beschleunigt der Zug dann sogar bis auf 220 km/h.

Kurven nimmt der von der finnischen Bahngesellschaft VR betriebene Allegro mit einer Schräglage von bis zu acht Grad, was gegenüber herkömmlichen Zügen eine höhere Fahrtgeschwindigkeit erlaubt. Die technische Besonderheit des Allegro ist jedoch sein elektrisches System, das sowohl den russischen Gleichstrom, wie auch den finnischen Wechselstrom verdauen kann. Die Spurweite ist hingegen in beiden Ländern faktisch identisch.

Viel Zeit wird aber auch bei der Grenzabfertigung gespart: Die Standard-Prozeduren erledigen die Grenzer und Zöllner bereits während der Fahrt.

Fünf Zwischenhalte in Finnland


Zunächst sind zwei Abfahrten pro Tag geplant: Um 6.40 und 15.25 Uhr aus St. Petersburg und um 10.00 und um 15.00 aus Helsinki. Zwischenhalte sind in Wyborg, Vainikkala, Kouvola, Lahti, Tikkurila und Pasila.

Die bisher auf der Strecke verkehrenden IC-Züge „Sibelius“ und „Repin“ werden außer Dienst gestellt. Der zwischen Moskau und Helsinki verkehrende „Lew Tolstoi“ wird weiterhin eingesetzt, hieß es bei der RZD. Anders als beim „Sapsan“-Verkehr nach Moskau werden die Nahverkehrszüge auf der Strecke durch die Neuerung nicht ausgedünnt.

Platzangebot und Fahrpreise


Der Allegro besteht aus sieben Wagen mit 344 Plätzen, 48 davon in der ersten Klasse. Außerdem gibt es spezielle Plätze für Behinderte und für Passagiere mit Kindern, eine Spielzone und ein Konferenzabteil.

Der Fahrpreis soll bei 134 Euro in der Ersten Klasse und 84 Euro in der zweiten Klasse liegen.

Insofern dürften die weitaus günstigeren (ab 30 Euro), aber auch langsameren und weit weniger komfortablen Bus-Fahrten zwischen Helsinki und St. Petersburg sowie die Fährverbidung (ab 35 Euro) auch weiterhin ihr Publikum finden.