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Die Schmutzarbeiten werden in Russland oft von Ausländern übernommen (Foto: Ballin/.rufo)
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Mittwoch, 16.07.2008

Petersburg erhöht Gastarbeiter-Quote um fast 100 Prozent

St. Petersburg. Aus Mangel an eigenen Arbeitskräften holt Petersburg 2008 statt 130.000 Gastarbeitern 235.000 in die Stadt. Wie im ganzen übrigen Europa, sind damit immense soziale Probleme verbunden.

Eigentlich sollten 130.000 ausländische Arbeitskräfte kommen, aber im Juni war die Quote schon fast ausgeschöpft und der Stadt lagen noch Anfragen von 3.000 Unternehmen vor. Also entschließt sich die Stadt zur Erhöhung der Zahl von Gastarbeitern.

Die meisten ausländischen Arbeitskräfte kommen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Usbekistan, Tadschikistan, der Ukraine und Moldawien. Etwa zehn Prozent stellt China, fünf Prozent die Türkei und vier Afghanistan. Aus Westeuropa kommt nur ein Prozent, und dies sind hoch bezahlte Angestellte großer Konzerne – in Petersburg bezeichnet man sie als „VIP-Gastarbeiter“.

Mangel an einfachen Arbeitern


Die meisten Ausländer arbeiten in der nördlichen Hauptstadt auf dem Bau und im Dienstleistungssektor. Einheimische Arbeitgeber berufen sich immer wieder darauf, sie würden kein Petersburger Personal finden.

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• Nur 400 Neu-Russen – Heimkehrer-Programm gescheitert? (13.12.2007)
• Moskau begrenzt Zuzug von Gastarbeitern auf 300.000 (20.11.2007)
• Kaliningrad: Umsiedler-Programm zwischen Soll und Haben (31.08.2007)
• Moskauer Bürger: Gastarbeiter essen streunende Hunde (22.08.2007)
• Rassenhass in Russland: Dieses Jahr schon 34 Tote (04.07.2007)
Statistiken belegen dieses Problem, das in allen westeuropäischen Industrieländern aktuell ist.

Die eigenen Leute wollen bessere Jobs und machen, so weit dies möglich ist, um die einfachen und schmutzigen Arbeiten einen weiten Bogen. Wenn neue Investoren in die Region kommen, müssen sie ihr Personal oft von weit her holen. Zuletzt erging dies so dem Autohersteller Nissan, der 1.000 Ausländer für seine neue Fabrik anforderte, weil auf dem heimischen Arbeitsmarkt nichts zu holen ist.

Sozialer Sprengstoff


Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Es gibt zwar kein Arbeitgeber zu, aber Tatsache ist, dass ein Arbeiter aus Tadschikistan sich mit viel weniger Lohn abspeisen lässt als ein gleich qualifizierter Einheimischer. Zudem geben sich die Gastarbeiter oft mit zum Teil menschenunwürdigen Unterkünften zufrieden.

Was aber wiederum immense soziale Probleme nach sich zieht. Die Isolierung von der Gesellschaft und die erniedrigenden Lebensbedingungen machen die Gastarbeiter zu Außenseitern und potentiellen Straftätern.

Fremdenfeindlichkeit gestiegen


Auf die Toleranz der Einheimischen können sie ebenfalls nicht hoffen. In Petersburg sind Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in den letzten Jahren erschreckend angestiegen. Es ist ein Teufelskreis, wie er auch in Westeuropa bekannt ist: Ohne die Ausländer geht es nicht, aber haben will sie im Endeffekt keiner.

Dass es bis heute keine Integrationskonzeption gibt, braucht kaum erwähnt zu werden. Auch wenn der Smolny verspricht, daran in Zukunft verstärkt arbeiten zu wollen. Die Petersburger werden mit ihren Gastarbeitern und allen damit verbundenen Problemen leben müssen, einen anderen Ausweg gibt es nicht. Für 2009 wird bereits eine Quote von 250.000 Personen angepeilt.



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