Petersburg hofft auf eine erneute Fähranbindung nach West- und Nordeuropa. (Foto: fontanka.ru)
Freitag, 16.10.2009
Petersburg: Erneute Wiederbelebung des Fährverkehrs?
St. Petersburg. Im nächsten Jahr will Petersburg erneut in den internationalen Fährverkehr eintreten. Im Gespräch ist eine ständige Verbindung nach Helsinki, Stockholm und Tallinn. Aber bereits im Vorfeld tauchen Probleme auf.
Die Reederei „Inflot Worldwide“, die in den letzten Jahren bereits mehrere Versuche unternommen hatte, die russische Meeresmetropole an der Ostsee mit west- und nordeuropäischen Häfen zu verlinken, will sich noch einmal ins kalte Wasser stürzen und sucht nach einem neuen Betreiber.
Obwohl noch keine Namen figurieren, gilt die estnische Firma Tallink Silja als aussichtsreicher Bewerber. Es habe schon 2008 derartige Pläne gegeben, aber da kam die Krise dazwischen und außerdem war kein passendes Schiff frei, erklärte Alexej Salumaa, Direktor von Tallink-Ru gegenüber der Tageszeitung „Kommersant“.
Fährbetrieb übers ganze Jahr
Im Idealfall sollte die Linie St. Petersburg, Helsinki, Stockholm und Tallinn miteinander verbinden, aber zunächst hat Inflot Worldwide Tallinn oder Helsinki im Blick. Auch über die Häufigkeit der Fahrten besteht noch Unklarheit.
Gefahren werden soll aber auch jeden Fall das ganze Jahr über. „Nur in der Hochsaison zu fahren, hat keinen Sinn. Wenn wir eine Linie organisieren, dann nur rund ums Jahr“, so Salumaa. An Passagieren soll es nicht mangeln, denn seit November 2008 brauchen Fähr- und Kreuzfahrttouristen, die bis zu 72 Stunden ins Land kommen, kein Visum mehr vorweisen.
Steigende Zahlen, geringe Kapazitäten
Und tatsächlich ist die Zahl der ausländischen Besucher in St. Petersburg gestiegen. 2009 waren es um 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr, insgesamt gut zwei Millionen Touristen. Übers Wasser kamen 428.000 Besucher.
Maxim Sokolow vom Smolny-Komitee für Investitionen und strategische Projekte sieht die Möglichkeit, diese Zahl zu verdoppeln, wenn die Stadt wieder eine feste Fähranbindung besitzt.
In diesem Jahr haben 113 Kreuzfahrtschiffe in Petersburg festgemacht, im nächsten Jahr sollen es 176 sein. Zum Vergleich: Im Hafen von Stockholm docken alljährlich 300 Kreuzfahrer an, die Fähren kommen noch hinzu.
Das größte Hindernis bei der für Mai 2010 geplanten Wiederaufnahme der Fährverbindung sind allerdings die fehlenden Rampen für Automobile, für den Fährtourismus ein ernsthaftes Manko. Die Rampen im neuen „Meereshafen“ auf der Wassili-Insel sind erst 2011 fertig.
Und so bleibt der Traum vom Massenfährtourismus wohl bis auf weiteres ein solcher. Da nützen auch all die schönen Zahlen nicht, die belegen sollen, dass Petersburg zehn bis 15 Mal so viel Gewinn aus diesem Segment ziehen könnte als es dies heute tut.
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Der Containerverkehr aus und in den Petersburger Hafen ist ein deutliches Zeichen für den Wirtschaftsboom in der Stadt wie im ganzen Land. (Foto: Deeg/.rufo)