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So soll es in der Sonderwirtschaftszone Neudorf einmal aussehen. (Foto: fontanka.ru)
So soll es in der Sonderwirtschaftszone Neudorf einmal aussehen. (Foto: fontanka.ru)
Donnerstag, 22.07.2010

Petersburg eröffnet erste Sonderwirtschaftszone

St. Petersburg. Mit einem Festakt ist am Mittwoch in Strelna bei St. Petersburg die erste Sonder-Wirtschaftszone der Region eingeweiht worden. Neudorf bei Strelna ist noch ein Bauplatz, soll aber ein „zweites Skolkowo“ werden.

Zu feierlichen Einweihung des Industrieparks "Neudorf" kamen u. a. die russische Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina und Petersburgs Gouverneurin Valentina Matwijenko nach. Einzuweihen gab es aber noch nicht viel mehr als ein Verwaltungsgebäude, ein paar Hilfsbauten und ein riesiges Feld, umgeben von einem Stacheldrahtzaun.

Die Wirtschaftsministerin leistete sich in ihrer Einweihungsansprache angesichts dieses traurigen Anblicks einen sprachlichen Ausrutscher: „Alles, was in der Zone hergestellt wird, kann im realen Leben genutzt werden“, sagte sie und stellte die Anfänge des Innovationszentrums damit auf eine Ebene mit einem Straflager.

Bei Russland-Aktuell
• Milliardär Wekselberg koordiniert russ. Silicon Valley (23.03.2010)
• Drei Häfen werden zu Freihandelszonen in Russland (03.06.2008)
• Kaliningrad: Aufschwung dank Sonderwirtschaftszone (04.04.2008)

Pharmaindustrie siedelt sich an


Die ersten fünf Unternehmen, die sich an dem bisher noch reichlich unwirtlichen Ort im Südwesten von St. Petersburg niederlassen wollen, bekamen symbolische Schlüssel ausgehändigt. Weitere 35 Interessenten hat Nabiullina aber bereits auf der Liste.

Angelockt werden sollen sie durch geringere Mieten, Steuererleichterungen und zollfreie Einfuhr von Produktionsmitteln aus dem Ausland. Besonders für Pharmaunternehmen sind die Steuernachlässe ein Argument für den Umzug nach Petersburg, schreibt am Donnerstag die Regionalausgabe der Zeitung „Kommersant“.

„Wir haben uns entschlossen, nach Petersburg zu gehen, als wir erfuhren, dass die Stadt nicht nur Straßen baut und eine Infrastruktur für die Projekte von Investoren schafft, sondern auch steuerliche Vergünstigungen gewährt. In Moskau und im Moskauer Gebiet gibt es das nicht“, sagte dazu Dmitri Morosow, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens „Biokad“.

„Biokad“ will in der Sonder-Wirtschaftszone Neudorf Medikamente entwickeln und herstellen. Innerhalb der nächsten sieben Jahre sollen hier 40 verschiedene Arzneimittel produziert werden. „Gerofarm“ will im ersten Quartal 2011 sein Labor zur Entwicklung von Pharmazeutika eröffnen.

Generaldirektor Pjotr Rodionow sagt Neudorf die rosige Zukunft eines „zweiten Skolkowo für medizinische Präparate“ voraus. Zur Erinnerung- In Skolkowo bei Moskau will Russland sein Pendant zum Sillicon Valley errichten.

Bei Russland-Aktuell
• Neudorf bekommt einen Technopark (30.11.2005)
• Neudorf-Strelna: Hängepartie statt neuer Heimat (04.07.2005)
• Bosch erster Investor im deutschen Industriepark? (08.12.2004)

Insgesamt 15 Milliarden Rubel für die Wirtschaftszone


Für die Erschließung des Territoriums des ersten Abschnitts der Sonder-Wirtschaftszone hat Moskau 1,2 Milliarden Rubel (knapp 31 Millionen Euro) bezahlt, die restlichen 800 Millionen (20,5 Millionen Euro) stellte die Petersburger Stadtregierung zur Verfügung.

Insgesamt sollen 15 Milliarden Rubel (ca. 385 Millionen Euro) in die Erschließung gesteckt werden, denn außer Neudorf ist ein zweites Gelände geplant – Nowoorlowskaja im Nordwesten von Petersburg soll fast sechs Mal größer werden als Neudorf. Die symbolische Eröffnung soll 2011 erfolgen.

Was lange währt…


Die Idee, in Petersburg Sonder-Wirtschaftszonen einzurichten, stammt aus dem Beginn der 1990er Jahre. Damals hatte Anatoli Sobtschak, der erste frei gewählte Bürgermeister der Stadt, diese Initiative eingebracht.

In Neudorf/Strelna gibt es übrigens eine Siedlung für Russlanddeutsche, die seit Jahren mit immensen rechtlichen Problemen zu kämpfen hat. Dieses „Innovationsprojekt“ zur Bindung von Russlanddeutschen an ihre Heimat blieb in den Anfängen stecken. Vielleicht ergeht es der Sonder-Wirtschaftszone besser…



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