Mittwoch, 09.04.2008

Riesige Mall statt „Loch“ am Moskauer Bahnhof

Noch ein Shopping-Paradies in der Innenstadt - diesmal direkt am Moskauer Bahnhof (Foto:  ld/rufo)
St. Petersburg. An Stelle des einst geplanten Hochgeschwindigkeits-Bahnhofs am Ligowski Prospekt entsteht nun das größte Einkaufszentrum der Innenstadt: In der „Galeria“ werden Ende 2009 etwa 250 Läden einziehen.
In den 90er Jahren platzte in Russland ein ambitiöses Prestige-Projekt der Jelzin-Ära: Die Gesellschaft „WSM“ wollte eine Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen Moskau und St. Petersburg bauen. Aus wenig erfindlichen Gründen begann man als erstes, neben dem Moskauer Bahnhof ein Quartal abzureißen, um dort einen Bahnhof für die noch gar nicht entwickelten russischen ICE-Züge zu bauen.

Das Projekt scheiterte mit großem Getöse und Schulden – und hinterließ außer der riesigen, gleich zwölf Hausnummern langen Baugrube am Ligowski Prospekt keine nennenswerten Spuren.

Britische Architekten und türkische Baufirma


Nach mehreren Weiterverkäufen legte schließlich die Kasaner Kaskommerzbank die Hand auf den Bauplatz und ließ – wie in Petersburg schon fast üblich – von britischen Architekten ein Projekt anfertien (in diesem Fall das Büro Chapman Taylor). Nach einiger Kritik durch den Stadtbau-Beirat bekam es nun grünes Licht durch die städtische Baubehörde.

Seit einigen Tagen arbeitet deshalb in der zentral gelegenen Baugrube ein türkisches Unternehmen kräftig daran, das Fundament für den geplanten Shopping-Koloss für ca. 400 Mio. Dollar zu legen.

Insgesamt sollen hier jetzt 191.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Etwa 250 Geschäfte vom Elektronik-Supermarkt bis zur elitären Boutique sollen sich in der „Galeria“ auf fünf Etagen verteilen. Wie bei derartigen Projekten üblich, wird im Souterrain eine Tiefgarage angelegt – in diesem Fall mit 1300 Stellplätzen. Und im obersten Stockwerk soll ein großes Fitness-Zentrum mit Schwimmbad und eventuell auch noch eine Bowling-Bahn unterkommen.

Großbaustellen rund um den Moskauer Bahnhof


In der Konzeption wird sich dieses Einkaufs- und Freizeitzentrum also wenig von ähnlichen Projekten unterscheiden, wie sie am Sennaja Ploschtschad schon existieren oder gegenwärtig schräg gegenüber am Ploschtschad Wosstannija entstehen.

Zudem soll noch der Platz vor dem Bahnhof mit einem unterirdischen Shopping-Center gespickt werden - und das bisherige Güterbahnhof-Areal auf der anderen Seite der Gleise in ein nobles Wohnareal umgestaltet werden.



Außergewöhnlich ist nur die Größe: Es handelt sich um den größten Einkaufskomplex in der historischen Innenstadt - vorerst jedenfalls.