Donnerstag, 05.07.2012

St. Petersburg plant zwei weitere Maut-Autobahnen

Der Smolny hat die innerstädtischen Bahnlinien als Trassen für Stadtautobahnen entdeckt (Foto; ld/.rufo)
St. Petersburg. Die Stadtregierung möchte zwei jeweils 17 Kilometer lange Autobahnen bauen, jede für mindestens eine Mrd. Euro. Wenn das Geld dafür fehlt, sollen Investoren aushelfen – und dann Maut kassieren.
Schnell und staufrei mit dem Auto durchs Stadtgebiet kommen – diesem Autofahrertraum will die Stadtverwaltung mit zwei neuen Newa-Querungen im Rahmen von jeweils 17 Kilometer langen kreuzungsfreien Stadtautobahnen näher kommen.

Die gestern von Boris Muraschow, dem Chef des „Komitees zur Entwicklung der Transportinfrasturktur“ laut angedachten Straßenprojekte würden zudem neue Möglichkeiten schaffen, mit dem Auto schnell aus der Stadt heraus oder hinein zu gelangen – und zwar in nördlicher und östlicher Richtung.

Eine Brücke ersetzt den Orlow-Tunnel


Die erste Trasse würde ihren Anfang in etwa dort nehmen, wo unter Gouverneurin Valentina Matwijenko noch der inzwischen als zu teuer gecancelte Orlowski-Straßentunnel unter der Newa geplant war: Eine neue Newa-Brücke soll die Tawritscheskaja Uliza im Smolny-Viertel mit der Arsenalnaja-Uliza auf der Wyborger Seite verbinden.

Durch das dortige Industriegebiet würde sie dann auf die Bahngleise in Richtung Wyborg treffen und parallel zur Bahn bis in den Vorort Pargolowo führen, wo sie an die Wyborger Chaussee angebunden würde.

Die zweite Stadtautobahn ist in West-Ost-Richtung geplant: Sie soll an der Bahnstation Bronewaja beginnen, wo sie an die dort im Bau befindliche Mautautobahn SSD angebunden würde.

Immer an der Bahn lang - aber eine Etage höher


Ebenfalls entlang der Gleise einer faktisch nur von Güterzügen benutzten Bahnlinie wird die Newa bei der Finnländischen Bahnbrücke erreicht. Vorbei am Ladoga-Bahnhof würde sie im Osten der Stadt an die Ringautobahn KAD angeschlossen.

Die Kosten für die beiden Straßen wären nicht gering: Muraschow sprach von 2,5 bis 3 Mrd. Rubel pro Kilometer – womit jede Strecke etwa 40 bis 50 Mrd. Rubel (1 – 1,2 Mrd. Euro) verschlingen würde.

Die hohen Baukosten gingen darauf zurück, dass die Autobahnen weitgehend auf Stelzen durch das Stadtgebiet geführt werden müssten. Dennoch käme dies günstiger als die Nord-Süd-Stadtautobahn SSD, die mit 5 Mrd. Rubel pro Kilometer kalkuliert wird – nicht zuletzt wegen der hochaufwändigen Querung des Newa-Deltas mit riesigen Brückenbauwerken.

Private Finanzierung wahrscheinlich


Wenn die Stadtverwaltung das Geld haben sollte, würde sie den Bau auch finanzieren, wenn nicht, müssten Investoren in staatlich-privater Partnerschaft beispringen, so Muraschow. Da anzunehmen ist, dass die Stadtkasse die Milliarden-Projekte kaum stemmen kann, dürfte es auf mautpflichtige Strecken hinauslaufen – denn nur auf diese Weise kann der Geldgeber seine Investitionen wieder hereinholen.

Schließlich hat die Stadtverwaltung unter dem neuen Gouverneur Georgi Poltawtschenko mehrere Großprojekte der vorherigen Administration gekippt – immer mit der Begründung, sie wären zu teuer.

Zum Fußballfest soll alles fertig sein


Was die Fristen angeht, so hat man im Smolny ein landesweit beliebtes Schlüsseldatum für allerlei Großprojekte im Auge: 2018 – das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Möge der Ball dann rollen - und der Verkehr auch.