 |
|
| Der Schutzdamm vor Petersburg ist die teuerste Baustelle Russlands. Foto: fontanka.ru | |
Mittwoch, 08.10.2008
Wieder Ärger um Petersburger Hochwasserdamm
St. Petersburg. Gerade wurde feierlich das erste Schifffahrtstor durch den Damm eingeweiht, gibt es auch schon wieder Ärger: Die Finanzaufsicht wirft dem Bauherrn vor, in großem Umfang Gelder veruntreut zu haben.
|
|
Bei der Einweihung des Schifffahrtstores war am Dienstag kein geringerer als Premierminister Putin dabei gewesen, der die Visite in das Programm seiner Geburtstagstour durch Petersburg integriert hatte.
|
Die Eröffnung des Schifffahrtstores S-1 ist ein Meilenstein im Bau des Schutzdammes, dessen Errichtung vor mehr als 30 Jahren begonnen hatte. Nun können Schiffe mit einer Wasserverdrängung von bis zu 140.000 Tonnen passieren. Experten geben allerdings zu bedenken, dass der endlich fertig gestellte Durchfahrtskanal schon wieder veraltet ist.
|
Arbeiten doppelt veranschlagt
|
Wie dem auch sei, der endlich zu verzeichnende Fortschritt auf der Ewigbaustelle Hochwasserschutzdamm könnte bald in Vergessenheit geraten. Nach Angaben der Internetzeitung Fontanka.ru hat eine kürzliche Überprüfung der Finanzaufsichtsbehörde ergeben, dass der Bauherr fast eine Milliarde Rubel (knapp 280 Millionen Euro) zweckentfremdet ausgegeben hat.
|
Allein das niederländische Unternehmen Boskalis, das zusammen mit der Hochtief AG maßgeblich beim Bau des Damms involviert ist, soll durch Zusatzverträge rund 600 Millionen Rubel mehr bekommen haben, als ursprünglich vorgesehen.
Laut Fontanka.ru hat die russische Finanzaufsicht bei der Überprüfung der Rechnungsbücher festgestellt, dass mit diesen Geldern Arbeiten bezahlt wurden, die bereits im Hauptvertrag festgelegt und finanziell gesichert worden waren.
|
Keine Reaktionen
|
Als Bauherr des „Komplexes zum Schutz St. Petersburgs vor dem Hochwasser“ (so heißt der Schutzdamm offiziell) tritt die Staatsfirma Rosstroi auf. Dort ist man mit den Schlussfolgerungen der Kontrolleure nicht einverstanden und will gar wegen Verleumdung Klage einreichen. Ausführlich kommentieren wollte die Direktion die Vorwürfe jedoch nicht.
|
Auch Boskalis hüllt sich in Schweigen. Die Anfragen der Petersburger Journalisten blieben unkommentiert. Wie diese vermuten, will Boskalis sich erst mit seinem deutschen Partner Hochtief beraten.
|
Die teuerste Baustelle des Landes
|
Der Hochwasserschutzdamm hat sich nach vielen Baustopps und Skandalen inzwischen zum teuersten Bauvorhaben in ganz Russland gemausert. Wenn, wie geplant, 2012 endlich der Schlusspunkt in der endlosen Geschichte um seinen Bau gesetzt wird, werden sich die Gesamtkosten auf 87,3 Milliarden Rubel (2,4 Milliarden Euro) belaufen haben.
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>